Konzertreise des HCM nach Prag und Melnik

Einen Ausflug der Superlative erlebten die Mitglieder des Harmonika Club Mössingen e.V. über das verlängerte Himmelfahrtswochenende vom 29. Mai bis 1. Juni 2003.

Die Einladung nach Tschechien zu reisen, erhielt der Verein von unserem ehemaligen 2. Vorsitzenden Hans Bühler.
Anlass hierfür war die Flutkatastrophe vom letzen Sommer, zu dem auch das Gebiet nahe Prags gehörte.

Hans Bühler hat eine Niederlassung seiner Firma in Melnik, das etwa 40 km nördlich von Prag liegt. Er hat von der Not der dortigen Bevölkerung an unserem letzten Herbstkonzert erzählt.
Hier wurde auch sofort die Idee aufgegriffen, den Menschen zu helfen, die am schlimmsten davon betroffen sind. Rasch entschied der Ausschuss und auch das Orchester einstimmig, eine Reise nach Melnik zu unternehmen, um mit einem Benefizkonzert zu Gunsten der Hochwasseropfer zu helfen.

Die Planung und Organisation unseres Aufenthaltes übernahmen Hans und Gudrun Bühler und wurden tatkräftig von der Geschäftsführerin Frau Tamelova in Melnik unterstützt.

Das Orchester auf der Karlsbrücke in Prag

Der erste Tag

Am Donnerstag morgen ging es zu noch nachtschlafender Zeit los, um am späten Nachmittag in Prag sein zu können. Das Wetter meinte es sehr gut mit uns. Die Sonne strahlte die ganze Zeit vom Himmel.

In einem etwa 2stündigen Rundgang, angefangen vom Strahov-Kloster, vorbei am Loretoheiligtum, zum Gelände der Prager Burg mit dem St. Veits-Dom und dem Goldmachergässchen, über die Prager Kleinseite bis zur Karlsbrücke, konnten wir einen ersten Stadtspaziergang in der Nachmittagssonne durch Prag machen.

Viele, die vor Jahren bereits einmal in Prag gewesen sind, waren erstaunt, welch Veränderungen diese Stadt in der vergangenen Zeit gemacht hatte. Die Gebäude der Altstadt, die Sehenswürdigkeiten und viele der prachtvollen Kirchen sind restauriert worden und erstrahlen in neuem Glanz.

Nicht umsonst wird Prag auch "Die goldene Stadt" genannt.

Auch am Freitag Vormittag staunten wir des öfteren in Prag über die Architektur und Stile der verschiedenen Bauten. Herr Maly, ein Bekannter der Familie Bühler, und auch die Familie Bühler selbst erwiesen sich als hervorragende Stadtführer.

Angefangen vom Wenzelsplatz mit dem Nationalmuseum, vorbei am Pulverturm bis hin zum Altstädter Ring mit der Teynkirche und dem Rathaus samt astronomischer Uhr, wurden uns hier eine Anekdote oder dort ein geschichtlicher Hinweis von den Dreien geliefert.
So verliefen die Stadtbesichtigungen sehr kurzweilig und waren leider viel zu schnell vorbei - obwohl unsere Füße zuweilen etwas anderes zu sagen schienen…..

Das erste Konzert

Am Freitag Nachmittag gaben wir in der Kirche "sv Vojtech" (zum heiligen Adalbert) unser erstes Konzert in Prag.

Die Eingeladenen waren sehr skeptisch, als sie hörten, es handle sich um ein Akkordeonorchester. Auch in Tschechien herrscht die übliche Meinung, mit dem Akkordeon kann man nur Schunkellieder und Gassenhauer spielen.

Dieses Bild haben wir mit Stücken wie "Der Kalif von Bagdad", "Rhapsodia Andalusia", "Auf einem persischen Markt" oder "Free World Fantasy" grundlegend revidiert. Das Publikum in der kleinen Kirche war sehr angetan und auch überrascht, daß auch sehr leise Töne vom Akkordeon gespielt werden können.

Der Ausklang des Tages fand dann an der Stadtgrenze Prags im Restaurant Golem statt, wo uns ein hervorragendes Essen erwartete.

Melnik

Am Samstag wurde zuerst Melnik erkundet. Vom Schlossgelände aus konnten wir sehr schön sehen, wie die Moldau in die Elbe mündet.
Am Ufer der Elbe wurde uns dann das Ausmaß des Hochwassers vom letzten Sommer geschildert. Vor Ort konnten wir uns in etwa vorstellen, was hier wohl passiert war. Viele Wohnungen waren bis zum 2. Stock überflutet und die Menschen wurden obdachlos. Insgesamt seien 8.500 Tonnen Müll in dieser Region durch diese Flut entstanden.
Spuren des Wassers sind heute noch an manchen Hauswänden zu sehen.

Weiter ging es ein Stück nördlicher in das "Böhmische Paradies".
Dieses Gebiet gehört zu Nordböhmen. Früher haben hier Sudetendeutsche gelebt. Heute ist es ein Naturschutzgebiet.
Die typischen Holzhäuser, sattes Grün, Felsvorsprünge, Nadelwald und kleine Seen mit unzähligen Seerosen tragen dazu bei, daß dieses Gebiet seinen Namen zurecht trägt.

Um die Mittagszeit hatten wir Gelegenheit, die Firma von Hans Bühler anzusehen. In der Firma fand ein Zusammentreffen mit geladenen Gästen und Bewirtung statt. Auf Wunsch konnte die Produktionshalle besichtigt werden.

In diesem Rahmen wurde von Hans Bühler erläutert, wie er auf die Idee mit den Konzerten gekommen ist. Er hat sich bei dem HCM für die Anreise und die Konzerte bedankt. Bei seinen Mitarbeitern hat er sich für die Mithilfe und Organisation, bei den geladenen Gästen für das Kommen bedankt.

Diesen Rahmen haben wir ebenfalls genutzt, uns bei der Familie Bühler herzlich für die Ermöglichung solch einer Reise zu bedanken. Unserem Vorstand fielen die Worte nicht immer leicht, so bewegt und berührt war er, unser Empfinden auszudrücken. Unsere tschechischen Gastgeber hat das ebenfalls berührt. Sie haben gesehen, dass wir Deutschen nicht nur harte Geschäftsleute sind, sondern auch Gefühl zeigen können.

Das zweite Konzert

Den Erfolg des ersten Konzertes konnten wir auch auf unser Hauptkonzert am Samstag Abend in Melnik übertragen. Der Saal des Kulturhauses war gut besucht. Der Bürgermeister von Melnik, sowie der Bürgermeister der Partnerstadt Oranienburg waren wie am Vortag am Konzert anwesend.

Manch Zuhörer, der anfangs ganz zaghaft geklatscht hatte, konnte von der Qualität mit den bereits genannten Stücken und weiteren Stücken wie "Glenn Miller Story", "Hits im Bigband-Sound" oder "Bert Kaempfert á la carte" unseres Spiels überzeugt werden.
So mussten wir noch die eine oder andere Zugabe spielen.

Am Ende beider Konzerte konnte Hans Bühler und seine Geschäftsführerin Frau Tamelova, die für uns simultan übersetzte, verkünden, daß wir insgesamt 20.000,- tschechische Kronen eingespielt haben. Dies entspricht ca. 670,- Euro.

Bei den Konzerten wurden CDs des Harmonika Club Mössingen verkauft, die anlässlich des 40jährigen Jubiläums aufgenommen wurden. Der Erlös der verkauften CD's und weitere 10 CD's im Wert von 250,- Euro konnte der 1. Vorsitzende Thomas Schneemann dem Bürgermeister von Melnik überreichen und dankte für die Einladung und herzliche Aufnahme.

Das Outro

Nach dem anschließenden Essen zeigte sich, dass Musik eine Fähigkeit besitzt, Menschen über die Grenzen hinaus zu verbinden.

Ein tschechischer Jungstar war extra eingeladen worden, um für uns aufzutreten. Danach unterhielt ein Gitarrentrio die Anwesenden. Dazu wurde gesungen und unsere tschechischen Gastgeber animierten uns mitzusingen.
Bei der Gelegenheit konnten wir etwas tschechisch lernen. Den Gitarrenspielern machte das Spielen so sehr Spaß, das immer wieder neue Lieder angespielt wurden.

Manchem von uns zuckte es in den Fingern und so wurde unter anderem ein neues Trio "gegründet" - 2 tschechische Gitarrenspieler und der HCMler Christian Neth am Klavier.
Spontan wurden die Tonarten festgelegt, in denen die ausgewählten Stücke gespielt werden sollten. Zu noch späterer Stunde griff unser langjähriges Mitglied und Ersatzschlagzeuger Horst Hengstler ebenfalls in die Tasten des Flügels und erfreute uns alle mit leicht beschwingter Musik.

Im anderen Saal wurde zu zünftiger Akkordeonmusik eine Polonaise veranstaltet.
Die Stimmung in den Sälen war einfach unbeschreiblich.

Die Tschechen waren beeindruckt wie ausgelassen und fröhlich wir uns gaben und feierten mit uns bis in die frühen Morgenstunden.

Der Abschied am Sonntag fiel uns allen schwer. Die Stimmung und die Dankbarkeit, die wir von den Menschen vor Ort übermittelt bekamen, ging uns doch sehr zu Herzen.

Dank der hervorragenden und detaillierten Planung unserer Gastgeber Hans und Gudrun Bühler wurde der Ausflug für uns alle zu einem UNVERGESSLICHEN Erlebnis, von dem wir noch in Jahren erzählen werden.